Bio-Kunststoff, was genau ist das eigentlich?


Kunststoffe gibt es seit Jahrzehnten in verschiedenen Varianten. Nicht ganz neu aber wieder hoch interessant: Biokunststoffe. Wir geben dir einen Einblick in die Welt der nachhaltigen Kunststoffe und wie sie für unsere Becher benutzt werden. Unser Grundstoff basiert nämlich auf den Bestandteilen von Holz.

Ein kurzer Überblick zu Kunststoffen

Kunststoffe gibt es seit Jahrzehnten in verschiedenen Varianten und alle sind ausnahmslos künstlich hergestellt. Der bisher übliche Kunststoff, umgangssprachlich auch gerne Plastik genannt, besteht aus fossilem Mineralöl, ist weder biologisch abbaubar noch biobasiert und verschmutzt aktuell zunehmend unsere Umwelt. Plastik ist zwar grundsätzlich recycelbar, dafür müsste es jedoch sortenrein produziert sein und auch in Recyclingbetrieben ankommen. Bevor unser Plastik jedoch recycelt wird, landet es meistens eher in Verbrennungsanlagen, wo es Unmengen an CO2 ausstößt oder im schlimmsten Fall in der Natur, wo es, wie am Beispiel eine PET-Flasche, über 500 Jahre dauern kann, bis diese sich in Mikroplastik zersetzt hat.

Biokunststoffe, was ist das eigentlich?

Nicht ganz neu aber jetzt wieder aktueller denn je: Biokunststoffe. Doch was ist das genau? 
Biokunststoffe sind Kunststoffe welche die Eigenschaft der biologischen Abbaubarkeit besitzen und/oder aus biobasierten Stoffen und nicht aus Mineralöl bestehen. Für Bio-Kunststoffe gibt es im wesentlichen drei verschiedene Definitionen, wobei jede dieser Varianten sich Biokunststoff nennen darf. 

1. Bio-Kunststoff auf Basis biologischer Stoffe, nicht biologisch abbaubar
2. Bio-Kunststoff biologisch abbaubar, jedoch nicht biobasiert

Besonders interessant wird es natürlich erst bei der dritten Variante: 
 3. Bio-Kunststoff biologisch abbaubar und biobasiert

Wir bei heybico verwenden für unsere Produkte diese dritte Variante. Alle unsere Mehrwegbecher bestehen aus einem Bio-Kunststoff, welcher aus biobasierten nachwachsenden Rohstoffen besteht und biologisch abbaubar ist. Frei von fossilem Mineralöl, Weichmachern wie BPA oder dem Bindestoff Melamin. 
Wenn wir uns die Kreisläufe von Biokunststoffen und Kunststoffen auf Mineralölbasis betrachten, sehen wir schnell den eigentlichen Unterschied. 

Konventionelle Kunststoffe haben ein lineares Modell: 

fossile Rohstoffe (Erdöl) → Produkte → Recycling (begrenzt) → Mülldeponie 

Der Rohstoff kann sich nicht im gleichen Umfang regenerieren, in welchem er der Umwelt entnommen wird. Auch Recycling kann diesen Kreis nicht schließen, da diese Kunststoffe irgendwann einen Zustand erreichen, an dem sie nicht mehr recycelt werden können. Danach kann dieser Kunststoff nur noch mit hohem CO2 Ausstoß verbrannt oder deponiert werden. Im schlimmsten Fall landet dieser auch in der Umwelt. 

Bio-Kunststoffe haben einen geschlossenen Kreislauf: 

Pflanzen → Granulat → Produkte → Kompostierung → Pflanze 

Der Kreislauf ist geschlossen und die Ressourcen können sich regenerieren. Der CO2-Ausstoß bei der Kompostierung (oder Verbrennung) entspricht der CO2-Aufnahme der Pflanzen während des Wachstums. 

Vorteile von Biokunststoffen

Ein großer Pluspunkt ist definitiv der CO2-Ausstoß. Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, setzen bei ihrem Zerfall nur so viel CO2 frei, wie die Pflanzen während des Wachstums aufgenommen haben. Das bedeutet, sie sind nach Abzug des Transportes und des Herstellprozesses klimaneutral. Im Vergleich dazu setzen konventionelle Kunststoffe auf Erdölbasis CO2 frei, welches ansonsten weiter im Öl gebunden wäre. 

Auch die Förderung von endlichem Mineralöl an sich ist ein umweltschädlicher Eingriff in unsere Umwelt. Raffinerien und der Transport des Mineralöls erzeugen große Mengen an CO2. Biokunststoffe bestehen im Idealfall aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais, Zuckerrohr oder Holzfasern, welche regional und umweltschonend angebaut werden können. 

Der dritte wesentliche Vorteil von Biologisch abbaubaren Kunststoffen ist, dass sie auch deutlich weniger Schaden anrichten, wenn diese in die Natur gelangen sollten. Zum einen zerfallen diese schneller als konventionelles Plastik und zum anderen enthalten sie keine schädlichen Zusätze, welche beim Zerfall freigesetzt werden. Kunststoffe, egal ob aus fossilen Quellen oder aus nachwachsenden Rohstoffen, sollten generell nie in die freie Natur gelangen und dort liegen bleiben. 

Nachteile von Biokunststoffen

Nachteile gibt es tatsächlich nur wenige. Biokunststoffe sind teurer als konventionelle Kunststoffe aus Erdöl. Das macht es für viele Produzenten leider uninteressant und unrentabel. Ein Umdenken auf der Seite der Hersteller findet hier sehr langsam statt und der Großteil sieht nur die wesentlich höheren Produktionskosten. 
Auch im Handel kosten Produkte aus Biokunststoffen im Vergleich zu Produkten aus konventionellem Kunststoff dadurch mehr, was auch viele Kunden erst mal davon abschreckt. 

Kritiker äußern auch, dass die Anbauflächen für Biokunststoffe Flächen für die Nahrungsmittelproduktion wegnehmen. Auch hier sollte man genau prüfen, wo die nachwachsenden Rohstoffe tatsächlich herkommen. Für unsere Becher benutzen wir zum Beispiel die Nebenprodukte Lignin und Cellulose der Holzindustrie. Wir kommen mit unseren Ressourcen in keinen Konflikt mit landwirtschaftlichen Flächen.

Wo kommen die nachwachsenden Rohstoffe her?

Leider ist auch bei Biokunststoffen nicht alles Gold, was glänzt. Entscheidend für die Nachhaltigkeit von Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen ist nicht alleine die Tatsache, ob diese biobasiert und biologisch abbaubar sind. Genauso wichtig ist auch der Ursprung der Rohstoffe und dessen Herstellung. Viele Biokunststoffe bestehen auf Basis von Mais oder Zuckerrohr, welche auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden müssen. Hier kommen schnell wieder Themen wie das Verdrängen von Flächen für die Nahrungsmittelproduktion, Überdüngung und der Einsatz von Pestiziden auf, welche in das Grundwasser und unsere Nahrungskette gelangen können. Im Vergleich zur Förderung von Erdöl, ist hier die Beeinflussung der Umwelt jedoch immer noch wesentlich geringer. 

Der Biokunststoff für unsere Becher wird auf Basis der Holzbestandteile Cellulose und Lignin hergestellt, welche als Nebenprodukte der Forstwirtschaft anfallen und in der Regel verbrannt werden. Die bewirtschafteten Wälder sind alle PEFC zertifiziert, welches ökologische, ökonomische und sozial nachhaltige Forstwirtschaft gewährleistet. Das Ziel ist es, durch nachhaltige Waldwirtschaft, den natürlichen Rohstoff Holz auf schonende Weise zu nutzen. Da wir ein Nebenprodukt der Holzwirtschaft für unser Material verwenden, müssen für unsere Becher keine separaten Flächen bewirtschaftet werden und wir nehmen auch keine Flächen für die Nahrungsmittelproduktion in Anspruch. 

Die Entsorgung von Biokunststoffen

Viele Biokunststoffe, darunter auch unserer, sind kompostierbar und somit biologisch abbaubar. Jedoch sollten Produkte aus diesen Stoffen nicht im heimischen Komposthaufen oder sogar in der freien Natur landen. Die Kompostierung von Biokunststoffen erfolgt in industriellen Kompostierungsanlagen, wo diese unter gleichbleibenden Temperaturen über 60 °C in CO2, Wasser und Biomasse verwandelt werden. Wie bereits erwähnt, setzt Biokunststoff nur so viel CO2 frei, wie die nachwachsenden Ressourcen während ihres Wachstums gebunden haben. Die übrig gebliebene Biomasse wird für die Landwirtschaft verwendet. 

Aus unserer Sicht gibt es zum heutigen Zeitpunkt leider noch zu wenige Kompostierungsanlagen, welche Biokunststoffe ordentlich verwerten können. Viele dieser Betriebe, darunter auch die meisten Biotonnen Anbieter haben in Ihren Anlagen nur sehr kurze Kompostierzyklen. Aus diesem Grund werden Biokunststoffe leider meist noch vor dem Prozess herausgenommen. Dies kann man den Betreibern jedoch kaum übel nehmen, denn die Menge an Biokunststoffen auf dem Markt ist aktuell noch sehr gering. Wir hoffen, dass immer mehr Hersteller von konventionellen Kunststoffen auf Biokunststoffe umsteigen und in diesem Wandel dann auch die Kompostieranlagen generell längere Zyklen in ihren Anlagen wirtschaftlich durchführen können. 

Auf den ersten Blick lassen sich die meisten Biokunststoffe jedoch selten von konventionellen, nicht kompostierbaren Kunststoffen unterscheiden. Was passiert also, wenn zum Beispiel unsere Becher über den Restmüll oder die gelbe Tonne entsorgt werden? Sind Produkte aus Biokunststoff dann sinnlos oder sogar schädlich für die Umwelt? 

Selbst wenn unsere Becher in einer Müllverbrennungsanlage anstelle einer Kompostierungsanlage landen sollten, machen diese immer noch eine bessere Figur als Produkte auf Erdölbasis. Auch während des Verbrennungsprozesses entsteht nur so viel CO2, wie auch während der Kompostierung freigesetzt worden wäre. Der einzige Nachteil ist, dass dabei keine Biomasse entsteht, welche für die Landwirtschaft genutzt werden könnte. Andererseits wird in der Verbrennungsanlage Energie produziert (energetische Verwertung) und eine CO2 neutrale Energiegewinnung ist ein klares Plus für die Umweltbilanz. 

Neben der Kompostierung ist die Verbrennung nur eine andere Art der Verwertung von Biokunststoffen, welche per se jedoch keine schlechtere ist, auch wenn wir die Kompostierung je nach Möglichkeit immer dem Verbrennen vorziehen würden. 

Sind Biokunststoffe eine Alternative?

Damit Biokunststoffe sinnvoll in unseren Alltag integriert werden können, müssen im wesentlichen zwei Faktoren eingehalten werden: eine ordentliche Verwertung und eine gute Ökobilanz. 

Für eine schnelle und vollständige Kompostierbarkeit von biologisch abbaubaren Kunststoffen müssen diese in industriellen Kompostieranlagen verarbeitet werden, für den Hauskompost oder die Natur sind diese nicht geeignet. Im ungünstigsten Fall werden diese mit dem Restmüll verbrannt. 

Wenn der Biokunststoff, wie in unserem Fall, aus nachwachsenden Rohstoffen, umweltfreundlich angebaut und verarbeitet wird, ist dieser bei der Kompostierung und bei der Verbrennung CO2 neutral. Im Vergleich mit konventionellem Kunststoff, welcher weder bei der Herstellung noch der Verbrennung CO2 neutral ist und schon gar nicht kompostierbar ist, schneidet Biokunststoff im Vergleich wesentlich besser in der Ökobilanz ab. 

Natürlich gibt es gerade für Mehrwegbecher verschiedene Materialien, welche eingesetzt werden können. Es existieren bereits tolle Mehrwegbecher aus Porzellan, Glas, Bambus oder Metall, welche alle Ihre Vor,- und Nachteile wie Gewicht und Bruchfestigkeit haben. Gerade Becher aus Edelstahl oder Bambus kommen in der Regel von Übersee. Aber auch hier sollte darauf geachtet werden, dass diese keine weiten Transportwege auf sich nehmen müssen. Denn ein weiterer Aspekt für eine gute Ökobilanz sind auch die Transportwege, welche viele Produkte zurücklegen müssen, bevor diese bei uns zu Hause ankommen. Biokunststoffe können sehr leicht regional produziert und auf Spritzgussmaschinen verarbeitet werden. Dies erlaubt es die Transportwege gering zu halten und auch hier den CO2-Ausstoß zu minimieren. In unserem Fall ist unsere komplette Produktion, vom Material bis zum fertigen Mehrwegbecher in Baden-Württemberg. 

Fazit

Nach wie vor sollte man sich nach dem Leitfaden „Reduce, Reuse und Recycle“ orientieren und auf gar keinen Fall planlos konsumieren. Sollten wir aber neue Produkte brauchen, sind Erzeugnisse aus Biokunststoff eine sinnvolle Alternative. Besonders wenn diese umweltschonend aus nachhaltigen Rohstoffen regional produziert werden und am Ende Ihres Lebenszyklus kompostierbar und CO2 neutral wie unsere Mehrwegbecher sind. 

Das wichtigste ist jedoch, du benutzt keine Einwegprodukte. Egal aus welchem Material, Mehrweg ist immer noch die beste Alternative, um unsere Umwelt zu entlasten.